Rückblick

Internationale Summer School | Christliche Wurzeln Europas? Rom als Idee

22. bis 31. August 2019 in Rom

Romano Guardini, der Namensgeber der Guardini Stiftung, identifizierte sich selbst als Europäer ganz im Sinne der europäischen Idee: Europa war für ihn nicht etwa eine Freihandelszone, ein politisches Bündnis oder ein Kontinent, sondern ein geistiger und geistlicher Raum, in dessen Grenzen das Alte und Vergangene das Neue und Zukünftige hervorbringt. In Zeiten der großen Krise der europäischen Idee hat sich die Guardini Stiftung auf dieses Identitätsbekenntnis verpflichtet. Um das Nachdenken über Europa und das In-die-Zukunft-Denken der europäischen Idee zu fördern, organisiert die Stiftung in Kooperation mit der Guardini Professur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte und der (evangelischen) Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin eine Reihe von Summer Schools unter dem Motto "‘Warum ich Europäer bin‘. Europa zwischen Differenz und Einheit".

Die erste dieser Summer Schools fand vom 22. bis zum 31. August 2019 in Rom statt, wo sich Europas christliche Wurzeln bis in die Antike zurückverfolgen lassen. Der Titel der Veranstaltung war dennoch mit einem Fragezeichen versehen: Das Christliche sollte nicht als Gesetztes, sondern als zu befragendes historisches Werden begriffen werden. 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Studierende, Doktoranden und Postdocs aus neun verschiedenen Nationen und den unterschiedlichsten Fachrichtungen – diskutierten zehn Tage lang gemeinsam mit den betreuenden Professoren Dorothea Wendebourg, Ugo Perone und Notger Slenczka die (christliche) Verwurzelung Europas in der ewigen Stadt. Prägend für die Summer School war die Verzahnung vier verschiedener Formate miteinander: In seminarartigen Lektüresitzungen wurden ausgesuchte, thematisch passende Texte besprochen. Im Rahmen von Exkursionen – beispielsweise zum Forum Romanum, in das von Mussolini für die Weltausstellung 1942 errichtete Stadtviertel Esposizione Universale di Roma, in die Vatikanischen Museen, hinab in die Katakomben und ins Petrusgrab und unter Begleitung des Waldensers Daniele Garrone durch das "andere Rom" der Verfolgung und Ghettoisierung – sammelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer "leibhaftige" Eindrücke der Stadt, die im Laufe der europäischen Geschichte immer wieder Gegenstand verschiedener Projektionen gewesen ist. Beiträge von Gastreferenten setzten neue Impulse und schließlich stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Kurzvorträgen eigene Forschungsfragen vor. Ein besonderes Highlight war der Besuch in der Residenz des deutschen Botschafters beim Heiligen Stuhl am letzten Abend, in dessen Rahmen der Gesandte Benedikt Haller noch einmal die Bedeutsamkeit Roms, nicht nur als Hauptstadt Italiens, sondern auch als Sitz der Katholischen Weltkirche, verdeutlichte.

Jedes einzelne Format erzeugte neue Diskurse und Fragestellungen. So verbanden sich die akademische Auseinandersetzung mit dem Thema, die Erfahrungen, die während der Exkursionen gesammelt wurden, und die auch in der Freizeit weitergeführten Diskussionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihrer interdisziplinären und internationalen Vielfalt zu einer großartigen Reiseerfahrung. In diesen zehn Tagen wurde die europäische Idee in der Casa Valdese – dem Veranstaltungsort der Summer School – lebendig.

Um über den Kreis der Teilnehmenden und Professoren hinaus eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und diese mit der europäischen Idee zu "infizieren", wurde die Summer School von zwei Influencerinnen begleitet, die von der Veranstaltung über die Social-Media-Kanäle der Guardini Stiftung berichteten. Die beiden sind Studierende im Master Kulturjournalismus an der Universität der Künste in Berlin. Über Facebook und Instagram erreichte die mit der Hamburger Agentur Faktor 3 entwickelte Kampagne ca. 180.000 Nutzer in der akademischen Zielgruppe. Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer empfanden die mediale Begleitung als große Bereicherung.

Die Verflechtung von Wissenschaft, Kunst, Religion und Kultur ist das Wesensmerkmal aller Veranstaltungen und Projekte der Guardini Stiftung. Romano Guardini versuchte stets, den "Blick auf das Ganze" zu öffnen – die vielen Bedeutungen der Wirklichkeit in die Wahrnehmung und Weltanschauung zu integrieren. Auch wenn eine Summer School eine genuin akademische Veranstaltung ist, kommt die wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht aus ohne die Impulse der Wirklichkeit, die Wahrheit, die sich in der Historie offenbart. Dazu kommt die kreative, selbstschöpferische Auseinandersetzung von Künstlerinnen und Künstlern mit Perspektiven auf diese Wirklichkeit. Ein produktiver Diskurs kann nur dort entstehen, wo er lebendig gehalten wird. Die Summer-School-Reihe unter dem Motto "Warum ich Europäer bin" soll auch in Zukunft eine Plattform für eine solche Auseinandersetzung sein, um so gemeinsam mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die das zukünftige Europa prägen werden, das Fragen nicht abreißen zu lassen.

Hier gibt's alle Gastvorträge zum Nachhören.

Fotos & Video: Charlotte von Bernstorff und Lara Sielmann | Faktor 3, Hamburg

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren