»WE ARE MEAT!«
Transzendenz, Ästhetik und Technik des Fleisches

Fleisch ist ein ganz besonderer Stoff. Überall treffen wir heute auf Fleisch und seine kulturellen Inszenierungen. Ob in der Kunst, im Film, den Massenmedien oder in den Fleischthekender Supermärkte. Dabei zeigt sich ein Spannungsfeld von Stillleben-Tradition und Tabubruch, totem Ding und lebendigem Leib, ästhetisch inszenierter Moral und gewaltsamer Manie, anstößig dunklem Phantasma und grellem Faszinosum. Man kann sagen, Fleisch ist die Ikone der Moderne schlechthin.

Seltsamerweise jedoch wird es bei all seiner Überpräsenz, wie wir sie heute erleben, gleichzeitig auf sonderbare Weise unsichtbar. Wir scheuen kollektiv davor zurück, uns dem Fleisch in unverdeckten Ermittlungen zuzuwenden. Ganz so, als unterläge es einem letzten Tabu, das verhindert, dass es zum öffentlichen Diskursgegenstand wird.

Mit ihrer Tagung »We are meat!« (Francis Bacon) macht die Guardini Stiftung das Fleisch nun zum zentralen Gegenstand theologischer, ästhetischer und wissenschaftlicher Reflexion. Während das Fleisch im religiösen Denken, nicht zuletzt im christlich-johanneischen Verständnis des Logos, von Bedeutung ist und in der Kunst seit der Renaissance eines der zentralen Themen bildet, ist Fleisch inzwischen zum erstrangigen Konsumgut, zum Rohstoff von Body-Design und der gentechnischen Reprogrammierung des Körpers geworden. Damit öffnet sich ein transdisziplinäres Feld an Motiven, Themen und Problemzusammenhängen (z. B. Organhandel; Tierfleischproduktion und -konsum; Tissue engineering; Plastische Chirurgie; Bodybuilding; Neuroenhancement; Pornografie).

Die Tagung knüpft damit an Überlegungen des Schriftstellers Volker Demuth an, der jüngst in einem Essay eine Carneologie, eine Theorie des Fleischs, angeregt hat. Durch Vorträge und Diskussionen soll nun aus der Perspektive verschiedener Disziplinen die Geschichte der kulturellen Codierungen und der Praktiken des Fleisches näher betrachtet und interpretiert werden.

 

16.–18. Januar 2015
Guardini Galerie


16. Januar 2015

Filmabend
Film & Fleisch

Moderation: Laetitia von Baeyer

Es werden die Filme »Le panier à viande« / »Schlachttag« (1966) von Jaqueline Veuve und »Omniprésence« (1993) von der Body-Art und Performance Künstlerin Orlan gezeigt und diskutiert.


17. Januar 2015

Einführung
»Carneologie«. Annäherungen
Dr. Cathrin Nielsen (Philosophin, Frankfurt)


Transzendenz
Und der Logos ist Fleisch geworden. Was bedeutet Inkarnation?
Prof. Dr. Dr. Matthias Beck (Universität Wien)

Sculpo, ergo sum. – Somatische Selbstformung am Beispiel des Bodybuildings
Dr. Jörg Scheller (Zürcher Hochschule der Künste)


Ästhetik
Philologie des Fleisches
Prof. Dr. John Hamilton (Harvard University, Cambridge, MA)

Schmuck und Schmerz. Fleisch und Fleischlichkeit bei Jana Sterbak und Marina Abramovic
Prof. Dr. Mirjam Schaub (Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg)


Technik des Fleisches
Nur Haut und Knochen? Von der Reliquie zum Implantat
Martina Keller (Wissenschaftsjournalistin, Hamburg)


Lesung
Der Schriftsteller Volker Demuth liest aus seinem Roman »Stille Leben« (2013)


18. Januar 2015
Medizinhistorisches Museum der Charité
Vortrag und Führung:
Direktor Prof. Dr. Thomas Schnalke

 

Konzeption: Dr. Cathrin Nielsen und Dr. Volker Demuth
Moderation: Dr. Heinke Fabritius und PD Dr. Dr. Thomas Posch



Veranstaltungsort:
Guardini Galerie
Askanischer Platz 4
10963 Berlin 

 

16. Januar 2015 -
18. Januar 2015

Adresse

Askanischer Platz 4
10963 Berlin
Telefon: +49 30 217358-0
E-Mail:
Internet: www.guardini.de

Öffentliche Verkehrsanbindung

S-Bahn: S1, S2, S25 Anhalter Bhf.
Bus: M29, M41 Anhalter Bhf.
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