Filmpreisverleihung zum Zweiten Gebot

am 1. Dezember 2013, um 20 Uhr
 

DU SOLLST DEN NAMEN DES HERRN, DEINES GOTTES,
NICHT UNNÜTZ GEBRAUCHEN



 

»Es schien mir so, als ob die Welt zerfällt. Alles schien verunstalteter und hässlicher. Es schien mir wie absichtlich, so als ob es mir nicht leid tun sollte.
Und jetzt...« 
»Genau.«

(Dialog aus Krzysztof Kieślowskis »Dekalog 2«)

 

Verfilmungen der Zehn Gebote zählen zu den Klassikern der Kinogeschichte – der Dekalog lieferte zu allen Zeiten Kintopps verlässliche Plots, die ihren Weg zum Publikum fanden. Doch mehr noch als auf die grandiosen Dioramen mit ihren Allegorien der Sünde und der Leidenschaft, des Zorns und der Gnade, lohnt der Blick auf kleine Werke und Low-Budget-Produktionen. In den Jahren 2013 bis 2017 wird, dies aufgreifend, der DEKALOG-FILMPREIS ausgelobt – ein Preis für filmische Arbeiten, die sich direkt oder indirekt auf den Dekalog beziehen. Der Wettbewerb regt eine filmspezifische Auseindersetzung junger Regisseure mit den Zehn Geboten an und stellt die Frage in den Vordergrund, welchen Stellenwert sie in unserer heutige Gesellschaft haben. Vorgaben – von Thema und technischen Standards abgesehen – werden nicht gestellt. Über die Preisvergabe entscheidet eine unabhängige, interdisziplinäre Jury.

 


Programm:

Begrüßung: Prof. Ludwig von Pufendorf, Präsident der Guardini Stiftung 

Laudatio: Corinna Kirchhoff, Juryvorsitzende  

Aus der Laudatio

Drei Filme, drei Handschriften, allesamt klar, streng und konzentriert: fiktional der eine, experimentell-poetisch der andere, dokumentarisch der dritte. Wie aber wären die drei vorgestellten Arbeiten auf einen Nenner zu bringen? Ich bin mir nicht sicher, ob mir meine Jurykollegen darin folgen können, aber ich finde: Alle drei Arbeiten verdeutlichen mit völlig konträren Stilmitteln und aus den unterschiedlichsten Blickwinkel heraus die Begrenzungen, denen wir, während wir uns zu allem befähigt wissen, ausgesetzt sind. Der Verzicht auf unsere Beredsamkeit, die alles zu identifizieren weiß, setzt eine Konzentration frei, die keineswegs entlastend wirkt, vielmehr fordernd ist und unsere Sinne auf ein Wesentliches lenkt, das religiöse Menschen benamen können (und mit dem sie in Austausch zu treten vermögen), das aber auch für Glaubensferne eine Herausforderung darstellt. Eine Herausforderung, die darin besteht, sich gegenüber dem zu immunisieren, was in falscher Gestalt, aber (so sagt es Botho Strauß in seinen »Lichter des Toren«, p. 29) »furios, grandios, glorios« auftritt und doch nur das Gewöhnliche darstellt. Man wird dies nicht detailgenau in die drei Wettbewerbsbeiträge hineinlesen, geschweige denn thesenhaft eins zu eins belegen können, dessen bin ich mir sicher. Denn es handelt sich um gleichsam offene Verfahren, welche die drei Preisträger in der Auseinandersetzung mit dem Zweiten Gebot angestrengt haben, und diese lassen mehrere buchstäbliche oder besser bildangemessene Lesarten zu. Keine Frage: Die wortgetreue Übersetzung eines basalen Sakraltextes wie der des Dekalogs in die Sprache des Films kann weder angestrebt noch erwünscht sein. Eher halten wir es, was unseren Wettbewerb betrifft, mit den Worten von Theodoros Angelopoulos: »Ich erwarte nicht von Dir, dass Du das verstehst, was ich mit meinen Filmen meine. Ich erwarte von Dir, dass Du das verstehst, was Deine Seele aus diesen Filmen versteht. Es ist eben wie Dichtung.«

Ich darf Ihnen, liebe Preisträger/-innen, auch namens der Jury meinen Glückwunsch aussprechen. 

 

Aufführung der prämierten Filme

1. Preis (1.500 €) Alice von Gwinner, »Letzter Wille: Idylle«

Still aus »Letzter Wille: Idylle«

 

1. Preis (1.500 €): Uschi Niehaus, »Im Wort - im Bild - im Klang« 

Still aus »Im Wort - im Bild - im Klang«

 

2. Preis (1.000 €): Marcel Neudeck, »Das Zweite Gebot« 

Still aus »Das Zweite Gebot« 

 

Im Gespräch mit den Regisseuren/-innen Laetitia von Baeyer, Fachbeirat Film
der Guardini Stiftung

 

Veranstaltungsort: 
Villa Elisabeth
Invalidenstraße 3 | 10115 Berlin


Ein Projekt der Guardini Stiftung und der Stiftung St. Matthäus anlässlich des Reformationsjubiläums 2017

Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

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