Abschlusstagung | 15. April 2021 | 18:15 bis 19:45 Uhr

8 Tore – 8 Chiffren zu Urbanität und Religion

Projekt "Stadt und Religion"

Die Tagung wird live per Zoom übertragen. Alle Panels werden im Nachgang der Liveübertragung als Podcasts zur Verfügung gestellt.

Urbanität und Religiosität stehen in einem engen Spannungs- und Wechselverhältnis. Gegen die Hypothese von einer stetig um sich greifenden Säkularisierung sind es heute gerade Städte, die neue Formen der Religiosität hervorbringen. Allerdings stellen die diversen Formen urbanen Lebens für alle Religionsgemeinschaften eine große Herausforderung dar. Welche Rolle wird Religion in den Städten der Zukunft noch oder wieder spielen? Was wird durch die religiöse Fundierung für das Zusammenleben in den Städten gewonnen? Wo verlaufen Konfliktlinien zur säkularisierten Gesellschaft oder zwischen den Religionen? Diesen Fragen widmet sich das Projekt „Stadt und Religion“ der Berliner Guardini Stiftung.

Die Abschlusskonferenz des Projekts orientiert sich an einem steinernen Leitfaden: In thematischen Debatten umrundet sie die Heilige Stadt Jerusalem, deren 8 Stadttore jeweils paradigmatisch für einen zentralen Aspekt im Spannungsverhältnis von Stadt und Religion stehen.

PANEL VII - DAS DUNGTOR: DIE STADT UND DER MÜLL
Mit: Matthias Barjenbruch (TU Berlin) und Jürgen Tietz (Architekturkritiker und Publizist)
Das Dungtor wird schon in der Bibel erwähnt (Neh. 3,14). Nehemiah war es, der als Statthalter von Juda dafür sorgte, dass die Stadtmauern Jerusalems wieder aufgebaut wurden. Schon zu dieser Zeit, aber auch noch bis in das 2. Jahrhundert hinein, diente das Tor dazu, Abfälle aus der Stadt hinauszuschaffen.
Im übertragenen Sinne steht das Dungtor für all das, was die städtische Zivilisation an Problemen aufwirft. Jede Stadt droht, an ihrem eigenen Dreck zu ersticken, und seit jeher war die Entsorgung von Müll und Exkrementen eine der dringendsten Notwendigkeiten jeder städtischen Siedlung. Daran hat sich bis heute nichts geändert, doch ist die Entsorgung unsichtbar in den Untergrund verbannt, wofür andere Probleme umso dringlicher in den Blick treten: Städte produzieren ihre eigenen Schattenzonen, no-go-areas, die sich jedem gesellschaftlichen Zugriff entziehen, sie begünstigen anonyme Gewalt, Tendenzen der Verwahrlosung und das Desperate als Folge der Erfahrung einer entzauberten Welt. Doch muss Urbanität an ihren Rändern zwangsläufig Formen der Verwahrlosung produzieren?
Podcast zum Download

PANEL VIII - DAS ZIONSTOR: STADT UND VERHEISSUNG
Mit: Christiane Neudecker (Schrifstellerin) und Andreas Öhler (Guardini Stiftung)
Wie kein anderes der Tore steht das Zionstor für die Stadt Jerusalem als solche, ebenso wie für das Volk Israel und seinen Bund mit Jahwe. Zion ist Chiffre der Verheißung – sie versammelt im jüdischen Kontext (und im frühen Christentum) all die Versprechungen der "noch kommenden Welt" wie auch die Erwartung der Endzeit. Im Namen des Tores konzentriert sich die Bedeutung Jerusalems als himmlische Stadt ("Tochter Zion").
Im weiteren Sinne umgreift das Zionstor also all das, was Religionen, insbesondere die abrahamitischen, an grundlegender Verheißung enthalten. Es ist die elementare Chiffre für ein Versprechen, das alle menschlichen Versprechen übersteigt, eine Chiffre für Auserwählung und Vertrauen, aber auch für religiösen Eskapismus und eifersüchtige Abgrenzung.
Podcast zum Download

Anmeldung unter info@guardini.de erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Zoom-Zugangsdaten werden Ihnen mit der Anmeldebestätigung zugeschickt.

Programmflyer zum Download

Pressemitteilung zur Abschlusstagung zum Download

Abb.: Detail aus: Rehav Rubein, Image and Reality. Jerusalem in Maps and Views, Jerusalem 1999, S. 28, Tafel 8 | Grafikdesign Anja Matzker


Ein Projekt der Nationalen
Stadtentwicklung des
Bundes. Gefördert durch das
Bundesministerium des
Innern, für Bau und Heimat

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren