25. Mai 2019 | 11:00-18:00 Uhr

Symposium| FRAGMENT

Ein Kooperationsprojekt der Guardini Stiftung e. V. und der Willms Neuhaus Stiftung - Zufall und Gestaltung in der Guardini Galerie

Guardini Galerie, Askanischer Platz 4, 10963 Berlin

"Immer fehlt etwas. Das Auge sieht, das Hirn ergänzt: Bruchstücke werden zu Bauwerken, die Taten der Toten lebendig, herrlicher und vollkommener, als sie es jemals waren." (Judith Schalansky)

PROGRAMM

10:30 Uhr
Einlass

11:00 Uhr
Fragmentarisches. Ein kunsthistorischer Exkurs (Dr. Birgit Möckel, Kunsthistorikerin)
Dekonstruktion, Vereinzelung, Fragmentierung sind zentrale Begriffe der Kunst der Moderne. Die Faszination am Fragment führt weit zurück in die Kunstgeschichte. Die Idee, im Detail ein Ganzes sichtbar werden zu lassen, fasziniert bis heute. Ausgehend von ausgewählten Werken der Ausstellung folgt der Vortrag Spuren des Flüchtigen und Bruchstückhaften, um Zusammenhänge zwischen Gegenwärtigem, Materialität, Möglichkeit, Vollendung und darin aufscheinenden Perspektiven zu veranschaulichen.

12:00 Uhr
Fragment und Ruine - Kulturelle Dynamiken der Zerstörung und der (Re-)Integration (Prof. Dr. Hartmut Böhme, Kultur- und Literaturwissenschaftler)
Wie wenig Fragment und Negativität notwendig verbunden sind, erkennt man an der Ästhetisierung gerade der Ruine oder des Fragments. Mit Beispielen von der Antike bis Jacques Lacan thematisiert der Vortrag sowohl materielle Prozesse der Zerstörung und Ruinierung wie auch die dabei mobilisierten psychischen und körperlichen Dynamiken der Destruktion. Dabei zeigt sich, dass Fragmentierung nicht einfach nur eine Negativität darstellt, sondern im Gegenteil mit Kreativität und Wissenserzeugung verbunden sein kann.

13:00 Uhr
Mittagspause

14:00 Uhr
Das Jetzt er-zählen. Rhythmus und Verflechtung (Dr. Cathrin Nielsen, Philosophin)
Das innere Er-zählen der Zeit als produktive Bändigung beginnt jeden Augenblick anders und neu, aber niemals "leer". Es steckt voller Gedächtnis und Geschichte, ist Zündstoff und Amalgam, Initiator und Erbe zugleich. Das "Jetzt" ist einerseits der kleinste Teil im Kontinuum der Zeit, Punkt, flüchtigster Bruchteil, etwas, das in seinem Auftauchen schon wieder verschwindet. Es bildet als Zäsur im objektiven Zeitverlauf den Moment, aus dem heraus wir die Zeit als "Ganze" für uns erfahren und strukturieren: ein unablässiges Zeit-, Urteils- und Empfindungsmanagement, dessen Verflechtung die höchst individuelle Partitur unseres Lebens ergibt.

15:00 Uhr
Kaffeepause

16:00 Uhr
Kleine Epistemologie des Fragments (Prof. Dr. Hans-Jörg Rheinberger, Molekularbiologe)
Es scheint, als wäre die Auseinandersetzung mit dem Fragment und dem Fragmentarischen grundsätzlich unter zwei zeitlichen Perspektiven möglich. Zum einen ist da die Perspektive der Vergangenheit. Unter dieser ist das Fragment etwas übrig Gebliebenes, das früher einmal zu einem Ganzen gehörte und aus dem nun idealerweise das Ganze wieder erschlossen werden soll. Zum anderen ist da die Perspektive der Zukunft. Unter dieser ist das Fragment der Ausdruck eines offenen Horizonts, der absichtlich oder unabsichtlich nicht zu einem Abschluss gebracht wird. "Fragment und Epistemologie" berührt beide Perspektiven. Es geht um einen Überblick über die verschiedenen Rollen, die das Fragmentarische im wissenschaftlichen Forschungsprozess spielt.

17:00 Uhr
Diskussion und Ausklang

Um Anmeldung wird gebeten: info@guardini.de

Programmflyer zum Download

Abbildung: Antonio Panetta, Ionisch #2 | (Ausschnitt) Aus der Serie „Le rectangle blanc“, 2007 | Halbtonfilm montiert auf Glas, Karton
Teaser: Birgit Dieker, Kleines Schwarzes, 2014 | Kleidung, 72 x 45 x 75 cm, Hocker: 60 cm | Foto: Jürgen Baumann, VG Bild-Kunst, Bonn 2019


Ein Kooperationsprojekt mit der Willms Neuhaus Stiftung - Zufall und Gestaltung

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