7. Dezember 2020 bis 26. März 2021

Ausstellung | Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment | Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich

Guardini Galerie, Askanischer Platz 4, 10963 Berlin
Geöffnet Montag bis Freitag 13 bis 18 Uhr

Die aktuellen Entwicklungen und neuen Coronabestimmungen führen zu  weiteren Einschränkungen, die auch die Guardini Galerie  betreffen. Entsprechend bleibt die Galerie bis auf weiteres geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis und freuen uns darauf, Sie bald wieder willkommen heißen zu dürfen.

In einem Kooperationsprojet mit den Musées de Sens, im französischen Burgund, stellt die Guardini Galerie Berlin unter dem Titel Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment aktuelle künstlerische Recherchen über Licht, Farbe und Linie in Auseinandersetzung mit konkreten Räumen und Orten von Ulrike Seyboth und Ingo Fröhlich vor.

Die beiden Künstler*innen gehen das Wagnis ein, über die Sprache der Zeichnung und der Malerei gemeinsam die Welt zu erkunden. Sie gehen hierbei unter anderem der Frage nach, wie sich aus einer unmittelbaren Wahrnehmung künstlerische Prozesse entwickeln.

Ulrike Seyboth untersucht das Malen als einen komplexen Zusammenhang. Vom seismografischen, tagebuchartigen Skizzieren flüchtiger Momente auf Reisen über große Papiere und Collagen bis hin zu großformatigen Ölmalereien auf Leinwand – ihren intensiven Farbmanifesten liegt die Beobachtung von Licht und Natur zugrunde. Die künstlerische Reflexion dieser Erkundungen, die sie in ihrem Wirklichkeitsbestand reduziert, bildet die metaphorische, formbare Ursubstanz ihrer Bilder und lenkt deren Gestaltbildung und künstlerische Transzendenz. Die Unmittelbarkeit im Umgang mit Farbe interessiert sie dabei ebenso wie die vielgestaltigen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums, als spontane Setzungen im Nebeneinander oder Schicht auf Schicht über einen langen Zeitraum hinweg gemalt.

Für Ingo Fröhlich ist Zeichnen "eine andere Art von Sprache", so wie es Richard Serra einmal sagte. Das Alphabet der Zeichnung sind der Strich bzw. die Linie als Spur einer Bewegung, der man ansieht, wie sie gezogen wurde: schnell oder langsam, kräftig oder flüchtig. Zeichnen ist die einfachste Form des bildnerischen Ausdrucks: direkt, material-reduziert, universell. Gibt man Serras Aussage Gewicht, ist Zeichnen lernen wie Sprechen lernen; das Ergebnis dieses Sprachlabors ist ein allseitig einsetzbares Ausdrucksvermögen. Die Zeichnungen entstehen in einem rhythmischen Prozess. Strich um Strich, Linie um Linie füllen sie die Fläche, beschreiben Bewegung, Zeit und Zwischenraum.

Ingo Fröhlich wird sowohl für die Guardini Galerie als auch im ehemaligen Bischofspalast gegenüber der Kathedrale von Sens eine durch den besonderen Ort inspirierte begehbare Raumzeichnung als Labyrinth und Teil der Ausstellung entstehen lassen, während Ulrike Seyboth die Orangerie bespielt. Sind es in der Berliner Guardini Galerie Impulse, die aus der Stadt kommen und ihren Widerhall im Rhythmus des Raumes und der konkreten Formen der Örtlichkeit finden, so spürt Ingo Fröhlich in Sens den steinernen gotischen Ornamentlinien nach, nimmt zum Beispiel die unendliche Linie der großen Rose des südlichen Seitenschiffes auf, überträgt diese in vergrößerter Dimension auf den Innenhof, führt sie für den Betrachter nachvollziehbar vor und hebt gleichsam die historisch gewachsene Distanz auf. Ähnlich einem begehbaren Labyrinth kann der Besucher unsichtbare Verbindungen der unterschiedlichen Welten und Welterfahrungen erleben und Unsichtbarem nachspüren.

Beide Künstler*innen nehmen somit auf ihre Art die Schwingungen der Architektur und Natur auf, verbinden Blickachsen und verweisen über ihre künstlerische Arbeit darauf, dass die Auseinandersetzung mit dem Detail gleichsam eine Resonanz mit dem Globalen und Universellen beinhalten kann.

Sowohl der Ort Sens mit seiner räumlich begehbaren Zeichnung als auch die Räume der Guardini Galerie erfahren durch diese künstlerischen Interventionen eine mehrdimensionale Transformation, gleichsam Wahrnehmungs- und Erfahrungsbewegungen, die dem kulturellen Selbstverständnis (via Zeitdiagnostik und Alltagsverständnis) in unserem Traditionsraum gerade mit Blick auf die aktuelle Umbruchsituation dienlich sind.

rbbKultur: Besprechung der Ausstellung von Thomas Fitzel

Pressemappe inkl. Flyer zum Downlaod

Teaser: Ulrike Seyboth, Sternbild II, 2020, VG Bild Kunst, Bonn 2020, Foto (c) Uwe Walter


PROGRAMM

Vernissage | 4. und 5. Dezember 2020 | Jeweils 18 Uhr
Begrüßung: Mariola Lewandowska, Geschäftsführerin der Guardini Stiftung
Einführung: Frizzi Krella, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Guardini Stiftung
Oboe: Catherine Milliken
Die Einführung findet im Freien vor der Galerie statt. Die Besichtigung erfolgt in kleinen Gruppen und ist nach Kapazität der Ausstellungsräume geregelt.

Öffentliche Führung | 24. Februar 2021 | 17 Uhr
atelier vagabond
Ulrike Seyboth und Ingo Fröhlich im Gespräch mit Frizzi Krella

Finissage | 5. März 2021 | 18 Uhr
Mit Robyn Schulkowsky (Percussion) & Joey Baron (Schlagzeug)


Die Galerie darf sowohl im Rahmen von Veranstaltungen als auch während der Öffnungszeiten ausschließlich mit Mundnasenschutz betreten werden. Wir bitten Sie, ständig einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Besuchern und dem Galeriepersonal einzuhalten sowie die Nies- und Hustenettikette zu beachten. Sollten Sie sich krank fühlen, nehmen Sie unbedingt von einem Galeriebesuch Abstand.


Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment. Ulrike Seyboth und Ingo Fröhlich lassen sich in der Auseinandersetzung mit Räumen und Orten in ihren Recherchen über Licht, Farbe und Linie auf das Wagnis ein, über die Sprache der Zeichnung und der Malerei gemeinsam die Welt zu erkunden. Sie gehen hierbei unter anderem der Frage nach, wie sich aus einer unmittelbaren Wahrnehmung künstlerische Prozesse entwickeln. Dieses Moment des Entstehens von Kunst birgt das eigentliche Geheimnis in sich. Ihm beiwohnen zu dürfen ist ein besonderes Geschenk.

Die Linie wird zur Spur von Bewegung, zur Aufzeichnung von Zeit und Zeitlichkeit.
Ein Wechselspiel mit der Umgebung, ihren Erscheinungen und Formen, ihren Phänomenen und Gesetzmäßigkeiten.
Es ist ein seismographisches Abtasten im Zeichnen der Linien zu Lineamenten – und letztendlich in der Übersetzung und Abstrahierung der Linie. Die Aufzeichnung ist gleichsam Partitur.
FILM: Ingo Fröhlich I Linie zum Strich I 2020

Auch Ulrike Seyboth untersucht in ihren seismografischen Partituren und Kompositionen die komplexen Zusammenhänge von Farbe und Fläche, Intensität und Tiefe des Raumes, sowohl auf großformatigen Leinwänden und Papieren als auch in ihren Collagen.
Die Unmittelbarkeit im Umgang mit Farbe interessiert sie dabei ebenso wie die vielgestaltigen Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums, als spontane Setzungen im Nebeneinander oder Schicht auf Schicht. Über einen langen Zeitraum hinweg gemalt ist es immer der Moment, der sich als Ereignis ausbreitet.
Auch das Weiß der Leinwand wird zur Farbe, zu einem Lichtraum, sowie die Leerstelle zu einer Form.
Leere ist gleich Fülle und Fülle ist gleich Leere.
FILM: Ulrike Seyboth – #sogehtsauch

Ulrike Seyboth, Sternbild II, 2020

Ulrike Seyboth, Sternbild II, 2020

Ulrike Seyboth, IONIAN SEA, château en vol, 2019

Ulrike Seyboth, IONIAN SEA, château en vol, 2019

Atelier Ingo Fröhlich, 2020, (c) Uwe Walter

Atelier Ingo Fröhlich, 2020, (c) Uwe Walter

Ingo Fröhlich, Windstriche, 2019

Ingo Fröhlich, Windstriche, 2019

Atelier Ulrike Seyboth, 2020, (c) Uwe Walter

Atelier Ulrike Seyboth, 2020, (c) Uwe Walter

Ingo Fröhlich, Himmelsgegenden IV, 2014

Ingo Fröhlich, Himmelsgegenden IV, 2014

Ingo Fröhlich I Linie zum Strich I 2020

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