6. September bis 3. November 2006

Ausstellung | Susanne Jung und Rebecca Michaelis

Die Guardini Galerie zeigt Werke von zwei Künstlerinnen, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit Phänomenen von Farbe und Raum in der Ebene des Bildes und ihrer Wahrnehmung beschäftigen. In der gegenwärtigen Inflation figurativer und erzählerischer Entwürfe der Malerei kommt dieser Arbeit, die weit mehr ist als nur ein Fortsetzen konstruktiver Kunst, eine besondere Bedeutung zu. 

Jung und Michaelis reflektieren in ihren Methoden, in Opulenz oder Reduktion von Farbe, Formation und Material und in der Kalkulation ihrer ästhetischen Wirkungen die gegenwärtigen Bedingungen des künstlerischen Bildes. Ihr Begriff von dessen Authentizität schließt kunstgeschichtliche Erfahrungen von Monochromie und Konstruktion ebenso ein wie die Kritik an deren behaupteter Absolutheit. Das Bild ist nicht nur der Gegenstand seiner Erscheinung, es ist aber auch keine Metapher für etwas anderes außer ihm. In den Vibrationen zwischen Bedeutung und Selbstreflexion entwickelt sich das Werk dieser Künstlerinnen.

Rebecca Michaelis ist von monochromen, den Raum besetzenden Farbobjekten zu komplexen Modulationen vorgegangen, in denen formale Berechnung und sinnliche Intuition auf wundersame Weise ineinander aufgehen, und nach einem neuen Begriff von Harmonie suchen. Susanne Jung hat dagegen in neueren Arbeiten das Vokabular weiter reduziert. Ihre großformatigen, Werte des Lichtes durch Variationen von gebrochenem Weiß umspielenden Bilder sind ebenso wie die transparenten, farbig gefassten Plexiglasobjekte Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit Fragen der Differenz. Während in den Bildern von Rebecca Michaelis eine künstliche, zersplitterte Farbigkeit, die in der Natur keine Entsprechung mehr findet, aufleuchtet, macht Susanne Jung die Differenzen der Wahrnehmung deutlich, indem sie sie nahezu zum Verschwinden bringt. Das Zusammenspiel dieser beiden, höchst verschiedenen Konzeptionen, die sich gleichwohl aus einer gemeinsamen Quelle speisen, ist das Thema dieser Ausstellung.

Nicht gegenständliche, auf Konstruktion und Farbe beruhende Malerei, auch das soll gezeigt werden, ist längst kein Exerzierfeld geometrischer Obsessionen mehr sondern eine lebendige, sinnliche Weise, der Welt eine individuelle Wahrheit abzugewinnen.

Abb. und Teaser: Links: Susanne Jung, H11, Acryl auf Baumwolle, 55 x 40 cm | Rechts: Rebecca Michaelis, o.T., Öl auf Gewebe, 30 x 30 cm | Foto: Andreas Süss, Copyright Susanne Jung und Rebecca Michaelis

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