16. Februar bis 7. April 2006

Ausstellung | "realfiktiv" – Matthias Hoch und MK Kähne

Fotografie und Skulptur/Zeichnung

Die von Dr. Jule Reuter organisierte Ausstellung "realfiktiv" zeigt mit den Fotografien von Matthias Hoch (Leipzig) und den Objekten von MK Kähne (Berlin) zwei Positionen der aktuellen Gegenwartskunst, die sich mit den Parametern einer auf Mobilität immer mehr zugeschnittenen Innen- und Außenwelt auseinandersetzen.

Matthias Hoch fotografiert zeitgenössische Architekturen, die vor allem modernen Funktionen wie Verkehr, Verwaltung und Freizeit dienen. Seine Motive – spiegelnd verblendete Fassaden moderner Bürogebäude, Stadien, Parkhäuser, Autobahnauffahrten, Brücken – sind als Orte anonym und austauschbar. Kennzeichen dieser Architekturen ist, dass sie als offene Systeme geplant sind und als Räume keine wirklich eigene definitorische Kraft entfalten. Hoch versucht, die Syntax dieser zeitgenössischen architektonischen Sprache genauer zu fassen. Er geht akribisch vor, mit genauem Blick für die Orte und ihre schwer fassbaren Eigenschaften. In eng gefassten Bildausschnitten akzentuiert er das Charakteristische des jeweiligen Zusammenspiels von Konstruktion, Struktur, Material, Farbe und Form. Solcherart konzentriert sich die Wahrnehmung auf den artifiziellen Charakter urbaner Räume.

MK Kähne modelliert ein wohnliches Ambiente, das zu einer Lebenshaltung zu passen scheint, die Mobilität mit Luxus zu verbinden sucht. Äußerlich sind Kähnes Koffer-Objekte der Welt des modernen Lifestyles und Jetset verpflichtet. Die aufwendig gearbeiteten Oberflächen seiner transportablen Sanitärmöbel, Bars und Interieurs erwecken den Anschein von Komfort und Raffinesse. Zugleich sind sie de facto benutzbar. Im jüngsten Objekt "Koffer – Landschaft" kann der gedachte Besitzer einen Leuchtkasten mit banalem Buschwerk nebst passendem Interieur mit sich führen. Je ausgefeilter der Künstler die extravaganten Bedürfnisse eines fiktiven Nutzers antizipiert, desto unbeweglicher wird und wirkt das eigentlich mobil gedachte Objekt. Kähnes Ironie zündet in der scheinbaren Anpassung von Kunst an die im Namen des Fortschritts propagierten Werte, die sich bei näherer Betrachtung als gesellschaftlich fragwürdige Konstrukte erweisen.



Abb. 1: MK Kähne, Schatulle: Raumschiff, 2005. Kunststoff, Velour, Chrom, Leuchtkasten. 78 x 32 x 80 cm. Courtesy Galería Espacio Líquido, Spanien, Copyright VG Bild-Kunst, Bonn
Abb. 2 und Teaser: Matthias Hoch, Amsterdam #21, 2003. C-Print. 80 x 112 cm. Courtesy Dogenhaus Galerie Leipzig, Copyright VG Bild-Kunst, Bonn 

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