21. November 2006 bis 5. Januar 2007

Ausstellung | Lethe.Archiv | Hartwig Ebersbach Malerei | Kai-Olaf Hesse Fotografie

Lethe ist der Strom des Vergessens. Er gehörte über Jahrhunderte als mythisches und poetisches Bild zur Ikonographie der Unterwelt. Es war Dante, der in der "Göttlichen Komödie" den Fluß Lethe aus der Unterwelt ins irdische Paradies verlegte. Dort entspringt er derselben Quelle wie der Fluß Eunoë, der Strom des "guten Gedächtnisses". Wer vom irdischen in das himmlische Paradies aufsteigt, muß beide Flüsse durchqueren. Harald Weinrich hat das ein "mnemotechnisches Kunststück" genannt. Es steht am Beginn der neuzeitlichen Kunst.

Die Ausstellung Lethe.Archiv vereint zwei denkbar gegensätzliche künstlerische Oeuvres zweier verschiedener Generationen. Hartwig Ebersbachs gestisch erregte Malereien in den oberen Räumen - autobiographische Reflexionen über Vergessen und Erinnern - treffen auf die nüchterne und höchst formstrenge Fotografie des Zyklus "Depot_Bilder" von Kai-Olaf Hesse, der im unteren Raum gezeigt wird. Hesses Bilder konstatieren die (End-)Lager von Artefakten konservierter Erinnerung zum Vergessen hin. Ebersbach malt die Riten des Vergessens, den Lethe-Strom in sich. Und was er zutage bringt, im obsessiven Traumprotokoll vom fortwährenden "Töten und Zerlegen eigen Fleisch und Blutes", ist die Aktualität alles Gewesenen im einzig lesbaren Archiv der eigenen Psyche. Erinnert werden kann nur, was dem Vergessen erreichbar ist.

Links: Kai-Olaf Hesse, aus der Serie Depot_Bilder, 2000-2006 ?C-Print, 20,2 x 25,4 cm 
Rechts: Hartwig Ebersbach, aus der Serie Quell Lethe, 2006 ?Öl/Leinwand, 180 x 150 cm 

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