Rückblick | Exkursionsreihe "Ortsbekenntnis - Bekenntnisorte" 2/6

Der zweite Teil unserer Exkursionsreihe „Ortsbekenntnis – Bekenntnisorte“ im Rahmen des Projekts „Stadt und Religion“ führte uns zur Alevitischen Gemeinde zu Berlin, in die Ibn Rushd-Goethe Moschee und zum Berlinprojekt. Wie schon im ersten Teil haben wir viele Eindrücke gesammelt und durften spannende Begegnungen erleben.

Am 22. September 2018 besuchten wir die Alevitische Gemeinde zu Berlin in ihrem Cemevi in Kreuzberg. Das Alevitentum ist eine mit dem Islam verwandte Religion, deren Anhänger in der Türkei verfolgt werden. Numan Emre, der Vorstandsvorsitzende der Gemeinde, und Özcan Mutlu, ebenfalls Alevit und ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Partei Bündnis 90/Die Grünen, führten uns durch das Versammlungshaus samt Nebengebäude und sprachen über ihre Religion. Allein in Berlin leben etwa 60.000 bis 70.000 Aleviten. Ein wichtiger Bestandteil der Religion ist, das berichtete Numan Emre, das Einvernehmen mit Gott, Natur und Gesellschaft. Deshalb gelten Aleviten in Deutschland als Integrationsvorbilder. Und das mit Recht: Viele von ihnen sind in Parteien engagiert wie Özcan Mutlu. „Wenn man aus einem Land kommt, in dem man wegen seiner Religion verfolgt wird, ist man automatisch politisiert“, erläutert dieser. Hier in Berlin bemühen sich die Aleviten aber um ein gutes Miteinander mit sunnitischen und schiitischen Muslimen.

Die zweite Exkursion am 6. Oktober 2018 führte uns in die Ibn Rushd-Goethe Moschee in Tiergarten, die derzeit einige Räume eines Nebengebäudes der Johanniskirche anmietet. Die Gründerin Seyran Ates und Pfarrer Sascha Gebauer von der Evangelischen Gemeinde Tiergarten berichteten von der ungewöhnlichen Zusammenarbeit. In der Ibn Rushd-Goehte Moschee können Muslime aller Strömungen beten, sowohl Aleviten als auch Sunniten, Shiiten und andere. Seyran Ates und ihren Mitarbeiterinnen ist es wichtig, dass jeder seinen Glauben ohne Zwang ausüben darf. „Das Wort ‚ungläubig‘ ist für uns ein Unwort.“, erklärte sie und erntete dafür viel Applaus. Über theologische Fragen entscheidet man hier gemeinsam und demokratisch. Das spiegelt sich auch in der architektonischen Neutralität des Gebetsraumes wieder. Aber nicht alle sind einverstanden mit der Mission der Moscheegründerin. Kritik regnet es nicht nur von konservativen muslimischen Gemeinden und Vereinigungen, sondern auch von politischer Seite, insbesondere von Mitgliedern der Grünen und der Linken. Unterstützung erfährt die Gemeinde dagegen von der CDU. Auch in der Evangelischen Gemeinde Tiergarten gab es anfangs Zweifel an der Zusammenarbeit. Inzwischen hat sich das geändert: „Die Menschen in der Gemeinde sind sehr stolz auf unsere Moschee“, berichtete Pfarrer Gebauer.

Die letzte Exkursion am 20. Oktober 2018 begann an einem ungewöhnlichen Ort, nämlich vor dem Eingang des Kinos Babylon in Berlin Mitte. Dort feiert das Berlinprojekt, das den schönen Namen „Kirche für die Stadt“ im Untertitel trägt, jeden Sonntag seine Gottesdienste. Das Berlinprojekt ist eine freie evangelische Gemeinde, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Botschaften des Evangeliums in den Berliner Alltag zu übersetzen. Das Kino Babylon ist für die Gründer der Gemeinde ein Ort „mitten in der Welt“. Menschen, die noch nicht in Berührung mit dem christlichen Glauben gekommen sind, besuchen einen Gottesdienst an einem solchen Ort eher, ohne sich fremd zu fühlen. Im Gemeindesaal des Berlinprojekts, der eigentlich eine kleine Galerie in der Nähe des Senefelder Platzes ist, diskutierten die Gemeindereferentin Doo-Kyoung Joo sowie Gründer und Pastor Christian Nowatzky mit der Kirchenhistorikerin Dorothea Wendebourg über freikirchliche Gemeinden und das Verhältnis zu den Landeskirchen. Die Gemeinde möchte sich aber nicht nur vom urbanen Umfeld inspirieren lassen, sondern sich auch für Berlin und die Welt engagieren. Darum kümmert sich die Gruppe BP_Sozial, deren Mitglied Leonhard Gebhardt lebhaft von den verschiedenen sozialen Projekten, die dort geplant, realisiert und unterstützt werden, berichtete.

Grafikdesign: Anja Matzker | Abb. Detail aus: Rehav Rubin, Image and Reality, Jerusalem 1999, S. 28 | Fotos: Sylwester Lewandowski, Heinke Fabritius, Hannah Hagedorn



Ein Projekt der Nationalen
Stadtenwicklungspolitik.
Gefördert durch das 
Bundesministerium des
Innern, für Bau und Heimat

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