Rückblick

Guardini Salon | Wie die Zeit vergeht

Am 15. Mai 2019 lud die Guardini Stiftung zum zweiten Mal infolge in den Guardini Salon in ihrer Galerie ein. Im Mittelpunkt der Debatte stand diesmal die Frage nach dem Wesen der Zeit, die der Kirchenvater Augustinus seinem berühmten Bonmot zufolge immer genau dann nicht beantworten kann, wenn sie gerade gestellt wird. Auf der blauen Couch nahmen aber weder Physiker noch Philosophen Platz, eingeladen waren zwei Künstler: die Komponistin Charlotte Seither und der Filmemacher Damir Lukacevic.

Film und Musik sind Zeit-Künste: Sie verwalten vergehende Zeit, ordnen sie neu, erzählen mit ihr Geschichten, machen Gegenwart im Augenblick der Aufführung erfahrbar. Dies veranschaulichte auch Stefano Cucuzella mit seinem Cello, der den Abend musikalisch begleitete. Zeit ist aber für Seither und Lukacevic jeweils auch ein ganz praktisches Problem: Arbeitszeit, Minutenvorgaben, die Atemlänge von Musikern wollen berücksichtigt werden. Obwohl man geneigt ist, den schönen Künsten ein Streben nach Ewigkeit, nach Ruhm über den Tod hinaus zu unterstellen, verneinten Seither und Lukacevic dies: Musik entfaltet sich im Augenblick, sie verklingt, ist sterblich. Filme sind tragischerweise vergängliche Moden – im Netflix-Zeitalter mehr denn je.

Musik und Film sind also nicht nur Zeit-, sondern vor allem Gegenwartskünste, so das Fazit des Abends. Die letzte Frage an beide Künstler: Glauben Sie, Musik und Film werden in der Ewigkeit noch existieren? "Ich wünsche mir, dass es in der Ewigkeit irgendetwas gibt, in dem Musik auch aufgehoben ist, vielleicht in ganz anderer Form. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ewigkeit sein kann, ohne dass irgendetwas davon, was wir in Kunst erfahren, darin enthalten ist", so Charlotte Seither. Auch Damir Lukacevic bejahte: "Das wäre großartig! Dann könnte ich immer noch arbeiten." Zur Ewigkeit gehört für ihn aber auch eine Vorstellung vom Guten: "Ich kann mich erinnern, als ich noch jünger war und es mir nicht gutging, habe ich Filme gesehen, die mich wirklich aufgebaut haben und mir eine Kraft gegeben haben. Die Stärke von Musik und Film, ist, dass sie Menschen etwas Positives mit auf den Weg geben."

Fotos: Frizzi Krella

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