GUARDINI-TAG 2018

»Warum ich Europäer bin.«

 

25.-27. Januar 2018 

Romano Guardini, dessen 50. Todestag in das Jahr 2018 fällt, war in zwei europäischen Kulturen zuhause. Beide Kulturkreise haben ihn gleichermaßen geprägt. In die Dichtung Dantes beispielsweise fühlte er sich tief eingewurzelt, ebenso aber waren ihm Hölderlins Oden, Elegien und Übertragungen eine Herzensangelegenheit. Als einziger seiner Familie nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an, und es war gerade das »Zwischen«, aus dem er seinen unverstellten Blick bezog und ihn ins Europäische weitete. Schon sehr früh hat er sich für ein vereintes Europa ausgesprochen.

In einem bewegenden Vortrag von 1962 spricht Guardini über die Quellen des europäischen Denkens und Fühlens. Es ist seiner Auffassung zufolge nicht der weit verbreitete Glaube an die technische Machbarkeit, der Europa auszeichnet, sondern das bewusst gestaltete Leben aus der Verantwortung für sich selbst, für den Mitmenschen und für die Schöpfung. Wichtiger als alle sachlichen Auskünfte über Europa ist für uns heute jedoch, dass jemand exemplarisch von sich selbst, in der ersten Person, und als Europäer spricht: Warum ich Europäer bin!

Es ist dieser bekenntnishafte Satz, der dem Guardini-Tag 2018 als Leitmotiv voransteht. Denn mehr als Reden über Europa, von denen es vielleicht schon zu viele gibt, verlangt die gegenwärtige Situation nach einer persönlichen Antwort, einer Haltung. Und wenn die Entwicklungen der vergangenen Monate etwas bewirkt haben, dann ist es das um sich greifende Bewusstsein, dass niemandem mehr gleichgültig sein kann, was geschieht. Mehr denn je gilt die Frage, wie der europäische Fundus, jene »vier Fünftel unserer inneren Habe, die europäisches Gemeingut sind« (Ortega y Gasset) vor einem Ausverkauf an die Gebote des Zweckmäßigen und ökonomisch Notwendigen gerettet werden kann.

Europa hat zu keiner Zeit, seit der Epoche der großen Visionäre De Gasperi, Schuman und Adenauer, zu einer gesellschaftlichen Selbstverständlichkeit gefunden, die seiner geographischen Größe und der politischen Situation, in die es verstrickt ist, entsprochen hätte. Im Gegenteil, es ist so, als seien die Eliten Europas in Abwehrstellung gegangen und versuchten nur noch, die europäische Identität, sofern diese überhaupt noch sachgerecht oder wenigstens in unpolemischer Absicht bestimmt wird, vor dem populistischen Zugriff zu bewahren. Doch ein Europa »ohne Form« (so schon Guardinis Befürchtung) ist und bleibt bloß eine Staaten-, Wirtschafts- und Schicksalsgemeinschaft, es wird aber nicht zu jenem Europa, als das es sich ausgibt.

Nach dem Brexit, dessen symbolische Kraft weit bedrohlicher ist als die zu erwartende faktische Veränderung, und ähnlichen Absetzungsbewegungen in anderen Ländern steht die Europäische Union vor der vielleicht größten Herausforderung ihrer Geschichte. Vieles steht auf dem Spiel. Doch was macht Europa aus - abgesehen von der geografischen Begrenzung und der wirtschaftlichen Zweckmäßigkeit? Diese Frage begleitet die europäische Einigung seit Anbeginn, aber es scheint, dass sie gerade heute eine Dringlichkeit bekommt, die nach einer Reflexion, einer persönlichen Haltung wie der eines Guardinis verlangt.

 

25. Januar 2018

18.00 Uhr

HEILIGE MESSE IN GEDENKEN AN ROMANO GUARDINI

Zelebrant: Erzbischof Heiner Koch

Kirche St. Clemens, Stresemannstr. 66, 10963 Berlin

19.00 Uhr c.t.

ÖFFENTLICHE ABENDVERANSTALTUNG: 

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

»Das ungeheuere Wagnis des abendländischen Lebens und Schaffens«.
Europa im Blick Romano Guardinis

Im Anschluss: Gespräch mit Ugo Perone und Ludger Hagedorn



26. Januar 2018

10.00 – 11.15 Uhr

EUROPA ALS PROJEKT UND ALS BEKENNTNIS

Kolloquium Teil I

 P. Helmut Zenz SDB

»Das Menschlich-Unerlässliche im Neuen«
Guardinis politisch-theologische Europavision als Herausforderung für den nach-neuzeitlichen Menschen

Peter Schallenberg

Europa als politische und ethische Idee

Moderation: Silvia Richter

14.00 – 18.00 Uhr



NEUE POSITIONEN GUARDINI-FORSCHUNG HEUTE

Werkstatt I         11.45 – 12.45 Uhr

 Michaela Starosciak

»Staat in uns« – Zwischen Freiheit und objektiver Ordnung

Jonas Klur

Lebendige Umwertung aller Werte. Die Ethik in »Der Herr«

Moderation: Peter Schallenberg

Werkstatt II         14.15 – 15.15 Uhr

 Gabriel Wendt LC

»Ja« – Guardinis Einstellung zum Kulturwandel

 P. Philemon Dollinger OCist

»Gottes Wort in Menschenwort.«

Ein unbekannter Text Guardinis über das Predigen

Moderation: P. Helmut Zenz SDB



EUROPA ALS PROJEKT UND ALS BEKENNTNIS

Kolloquium Teil II

 Monika Scholz-Zappa

»Das Faktum Europa. Ich erkannte es als die Basis, auf der ich allein existieren könne.«

Jan Frei

Das Ende der Neuzeit und die nacheuropäische Epoche. Zu Guardini und Patocka

Markus Zimmermann

Die christliche Gestalt Europas als Zukunftsbedingung

Moderation: Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Abschlussvortrag          17.30 - 18.30 Uhr

Stefan Waanders

Europa aneignen. In den Spuren Romano Guardinis

Moderation: Ludger Hagedorn



27. Januar 2018

10.00 Uhr

Heinke Fabritius

Europäische Landschaften (Alte Nationalgalerie)

Treffpunkt: Guardini Galerie, Askanischer Platz 4, 10963 Berlin

 

25. Januar 2018 -
27. Januar 2018

Adresse

Guardini Galerie
Askanischer Platz 4
10963 Berlin
Telefon: +49 30 217358-0
E-Mail:
Internet: www.guardini.de

Öffentliche Verkehrsanbindung

S-Bahn: S1, S2, S25 Anhalter Bhf.
Bus: M29, M41 Anhalter Bhf.
Öffnungszeiten der Galerie:
Di-Fr 12-18 Uhr
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