Filmpreisverleihung zum Dritten Gebot

am 31. August 2014 um 20 Uhr


DU SOLLST DEN FEIERTAG HEILIGEN

 

   


 

 

»Die Menschen bleiben alle zu Hause und wollen nur unter sich sein.« 

(Aus Krzysztof Kieślowskis »Dekalog 3«)

 

Verfilmungen der Zehn Gebote zählen zu den Klassikern der Kinogeschichte – der Dekalog lieferte zu allen Zeiten Kintopps verlässliche Plots, die ihren Weg zum Publikum fanden. Doch mehr noch als auf die grandiosen Dioramen mit ihren Allegorien der Sünde und der Leidenschaft, des Zorns und der Gnade, lohnt der Blick auf kleine Werke und Low-Budget-Produktionen. In den Jahren 2013 bis 2017 wird, dies aufgreifend, der DEKALOG-FILMPREIS ausgelobt – ein Preis für filmische Arbeiten, die sich direkt oder indirekt auf den Dekalog beziehen. Der Wettbewerb regt eine filmspezifische Auseindersetzung junger Regisseure mit den Zehn Geboten an und stellt die Frage in den Vordergrund, welchen Stellenwert sie in unserer heutige Gesellschaft haben. Vorgaben – von Thema und technischen Standards abgesehen – werden nicht gestellt. Über die Preisvergabe entscheidet eine unabhängige, interdisziplinäre Jury.

 

Programm

Begrüßung: Angelika Obert, Filmbeauftragte der EKBO

Laudatio: Corinna Kirchhoff, Juryvorsitzende

Aus der Laudatio

Hegel benutzte gern das Bild vom »Sonntag des Lebens«, Kafka hatte ein eher ambivalentes Verhältnis zum Sonntag und favorisierte den »großen Montag«, zumindest in einem literarisch-übertragenen Sinn. Der Sonntag ist eine schwierige Materie: Er ist nicht einfach nur der Gegensatz zum profanen Wochentag, Werktag, wie noch viele sagen, die sich an die Zeit der elend langen Arbeitswochen erinnern. Den Sonntag allerdings, wie es heute geschieht, auf einen von zwei freien Tagen in der Woche zu reduzieren, verfehlt ebenfalls seinen Sinn.

»Du sollst den Feiertag heiligen«. Diese Aufforderung und Mahnung des Dritten Gebots erinnert daran, dass wir am Siebten Tag der Schöpfungsgeschichte innehalten, die Arbeit ruhen lassen – heute muss man ergänzen: auch die Freizeit, die ja längst keine Mußestunden mehr sind, sondern vielfach selbst auferlegte Zeitbewältigungsstrapazen – es mahnt uns, uns dem Schöpfer zuwenden, zu ihm und über ihn so auch zu uns selbst zu kommen.  

 

Aufführung der ausgezeichneten Filme

1. Preis (2.000 €) Thomas Riedelsheimer, »SPONSAE CHRISTI«


Still aus »SPONSAE CHRISTI«

Thomas Riedelsheimer geht in seinem, bereits vor über zwanzig Jahren gedrehten Dokumentarfilm auf die Spurensuche nach den Motiven, die Nonnen und Novizinnen des Zisterzienserinnenklosters Lichtenthal bei Baden Baden dazu bewegten, ihr Leben Gott und dem Gebet zu widmen. […] Zu sehen bekommen wir […] Freiheit hinter Mauern. Selbstgewählte Freiheit. Frauen, die sich berufen wissen zur Freiheit im Verzicht auf alles Weltliche. […] Sponsae Christi«, so die Begründung der Jury, »bezeugt […] wie seelenleer die laute säkulare Welt sein kann, ja seelenlos  – einerseits; und wie groß dann eben doch der Seele Durst ist nach dem was heilig ist und heilsam: ›Durch meine Zellentür kommst Du in das Herz der Welt heißt es an einer Stelle des Films. In diesem Satz ist nahezu alles gesagt, was das Leben der Nonnen ausmacht und was davon uns da draußen angeht.«


2. Preis (1.000 €) Sebastian Lederle 
»SOLILOQUIUM«


Still aus »SOLILOQUIUM«

Der Sonntag: ein besonderer Tag, Auszeit, Zeit und Tag des Herrn? Es sind solche Fragen, […] die Sebastian Lederle […] stellt, nämlich nach den Möglichkeiten zu glauben, zu zweifeln oder »einfach« nur zu sein. Die Fragen werden entwickelt, »durchgespielt«, die Antwort bleibt offen – es sind diese Fragen, die die Jury bewogen hat, dem kontemplativen kurzen Ein-Personen-Stück den zweiten Preis zu verleihen: Fragen eines Einsamen (eines Eremiten vielleicht sogar? eines Zweifelnden und Fragenden gewiss), die geeignet sind, das Gespräch über die Bedeutung des Sonntags und des Feiertagsgebotes überhaupt zu grundieren und die gesellschaftliche Debatte eben nicht dem anheimzugeben, was man gemeinhin den »Zeitgeist« nennt. So verstanden ist »Soliloqium« eine Offerte für ein ernsthaftes Kolloquium zum Dritten Gebot.


3. Preis (500 €) 
Dieter Gränicher, »PAUSENLOS«


Still aus »PAUSENLOS«

Der Regisseur von »Pausenlos«, der Schweizer Dokumentarist Dieter Gränicher, hat mit einem ethnologischen Blick für das Leben und Treiben seiner Landsleute den Stressfaktoren nachgespürt, die auch dort Menschen unterschiedlichster Couleur allenthalben heimsuchen. Dabei entstanden Porträts von Personen, die aufgrund unterschiedlichster Erfahrungen […] in ihrem Leben ein verändertes Zeitbewusstsein entwickelt haben: Geschäftsleute, die ein Hochwasser an den Rand ihrer Existenz gespült hat; eine Informatikerin, die im Diktat der Bits und Bytes […] nicht mehr ein noch aus wusste […]; aber auch ein Steinmetz, der eine ganz andere Perspektive auf das Thema Zeit eröffnet, weil er ja Zeit in Stein haut – oder aus ihm heraus? Und der von sich sagt: »Man kommt in eine Zeitlosigkeit beim Hauen, so sehr, dass man sich selbst vergisst«.

 

Veranstaltungsort:  

Villa Elisabeth
Invalidenstraße 3 | 10115 Berlin


Ein Projekt der Guardini Stiftung und der Stiftung St. Matthäus anlässlich des Reformationsjubiläums 2017

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

31. August 2014
20:00 Uhr

Adresse

Villa Elisabeth
Invalidenstr. 3
10115 Berlin
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