Lectio Guardini 2010
»Erfahrungsdefizite« und »Erlebnistrunkenboldigkeiten«:
Der Begriff der religiösen Erfahrung als Herausforderung an die
Religionsphilosophie
»Erfahrung« ist ein Zauberwort, das heutzutage jedermann im Munde führt. Das ändert nichts an der Tatsache, dass dieser Grundbegriff aller europäischen Sprachen einer der ungeklärtesten Begriffe überhaupt ist, insbesondere dann, wenn man von »religiösen Erfahrungen« spricht. Anstatt dass wir uns damit begnügen, in die immer wieder zu hörende Klage über das sogenannte »Erfahrungsdefizit« der Philosophie und der Theologie einzustimmen, ist es hilfreicher, den in dieser Klage vorausgesetzten Begriff der Erfahrung kritisch unter die Lupe zu nehmen, indem wir uns fragen, was man mit diesem Begriff »anfangen« und nicht anfangen kann.
Im Vorblick auf die für Oktober 2011 geplante wissenschaftliche Tagung »Erfahrung und Ereignis. Neue Perspektiven der Religionsphilosophie« setzt die Lectio sich zum Ziel, einen Beitrag zu der heute immer nötiger werdenden Klärung des Begriffs der »Erfahrung«, insbesondere im Umgang mit dem Begriff »religiöse Erfahrung« zu leisten.
In Anlehnung an einen Nietzsche-Text erfolgt die Klärung in Form einer genealogischen Betrachtung über die fünf Hauptstadien der Entwicklung des Begriffs, in deren Verlauf die Widerfahrnisse sich immer mehr in subjektive Erlebnisse und schlussendlich in reine Vibrationen aufzulösen scheinen. Anschließend soll gefragt werden, unter welchen Bedingungen Geschehnisse und Erlebnisse im religiösen Bereich miteinander verbunden werden können.
Vortrag von
Prof. Dr. Jean Greisch
Guardini Professur für Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung an der Humboldt-Universität zu Berlin
19:00 Uhr
Adresse
Humboldt-Universität zu BerlinSenatssaal
Unter den Linden 6
10099 Berlin




