transformare

Eine Fotografie-Ausstellung im Rahmen des Projekts "Stadt und Religion"

Johanna Diehl, Ukraine Series, Kyiv I, 2013, C-Print, 126x159 cm, Edition 5+1AP
© Johanna Diehl, Courtesy Johanna Diehl und Galerie Wilma Tolksdorf Frankfurt/Berlin

Die Ausstellung transformare versammelt fotografische Arbeiten von Norman Behrendt, Johanna Diehl, Andréas Lang, Anton Roland Laub, Wilhelm Mundt, Loredana Nemes, Andreas Rost und Wenke Seemann, die aus unterschiedlichsten Perspektiven das Verhältnis von Religion und Gotteshäusern zur urbanen Gesellschaft reflektieren. Sie schauen durch die Kamera: konkret und metaphorisch, dokumentarisch und narrativ. Dabei werden gegenseitiges Durchdringungen von Stadt und Religionen, Prozesse der Veränderung und des historischen Wandels sowie Kontinuitäten und Diskontinuitäten sichtbar. Alle Künstler eint, dass sie mit ihren konzeptuellen Werken einen ganz individuellen Blick auf die Vielgestaltigkeit des religiösen Lebens in den Städten Ankara, Berlin, Bukarest, Istanbul, Khartum und New York sowie in der Ukraine zeigen.
 
Johanna Diehl reiste für ihre Ukraine Series (2013) durch die Ukraine, um die vergessenen Orte ehemaliger Synagogen aufzuspüren, die ihrer ursprünglichen Bestimmung verlustig gingen. Sie dokumentierte diese historischen Befunde mit einer Plattenkamera. Durch ihr gesamtes künstlerisches Werk zieht sich die Frage nach der Anwesenheit von etwas Abwesendem.
 
Norman Behrendt fotografiert seit 2014 Neubaumoscheen in den ausufernden Vorstädten Ankaras und Istanbuls, die als ein Sinnbild für den religiös-politischen Wandel der Türkei während der letzten 20 Jahre gesehen werden können. Pro Jahr wurden dort fast eintausend neue Moscheen errichtet. Das noch nicht abgeschlossene fotografische Projekt heißt Brave New Turkey.
 
In dem Projekt Mobile Churches schaut Anton Roland Laub nicht nur durch die Kamera, sondern hinter die sozialistischen Einheitsfassaden von Bukarest, die Ceau?escu im Rahmen seines Programms der »Systematisierung« in den 1980er Jahren errichtete. Sieben Kirchen blieben jedoch vom Abriss verschont und wurden versetzt: Man sägte sie ab, hob sie auf Schienen und schob sie hinter nahegelegene Wohnblöcke. Diese fotografische Bestandaufnahme ist eine kritische und faszinierende Aufarbeitung politischer Stadtgeschichte.
 
Auf eine ganz andere Art und Weise begibt sich Andréas Lang auf fotografische Spurensuche, nämlich im Großstadtdschungel von Ney York City nach Nine-Eleven. Er spürt fotografisch dem Unbewussten der Stadt nach. Seine Fotografien geben niemals vor, „mehr zu wissen als der porträtierte Ort“.
 
Beyond nennt Loredana Nemes die Orte, die sich jenseits des Erreichbaren und Vorstellbaren befinden. In ihrer gleichnamigen Serie von 2008-10 sind es türkisch muslimische Lokale, Tee- und Gemeindehäuser in Berlin, die für uns als Passanten dieser anderen Kultur und Religion geheimnisvoll bleiben. Die Künstlerin fotografiert im Versuch einer Annäherung die Fremdheit hinter diaphan milchigen Scheiben. Können die Fotografien den Schleier aufheben oder uns die Augen öffnen?
 
Andreas Rost und Wenke Seemann dokumentieren fotografisch den Aufbau der Bodenskulptur STUFEN des international bekannten Künstlers Micha Ullman aus Tel Aviv, der diese Arbeit für die St. Matthäus-Kirche entwickelte. An einem historischen Ort in Berlin ist ein höchst komplexes Kunstwerk entstanden, das auch den Aspekt der Versöhnung in sich trägt. Darüber hinaus dokumentierte Andreas Rost die Altarverhüllung in der Paul-Gerhardt-Kirche Berlin während der Fastenzeit durch Günther Uecker. Dabei entstanden sehr persönliche und einmalige Aufnahmen. In einem Fotofilm – montiert aus fotografischen Sequenzen – lässt uns Rost am Freitagsgebet der Sufis in der sudanesischen Hauptstadt Khartum teilhaben.
 
Der Bildhauer Wilhelm Mundt formt seit über zwanzig Jahren seine Trashstones, in die er alles, was in seinem Atelier momentan nicht mehr benötigt wird, einarbeitet: Abfälle, Materialreste, Entwürfe, persönliche Aufzeichnungen, Skizzen. Er formt große Knäuel, komprimiert sie, umwickelt sie und kleidet sie in Polyesterharz ein. Dann schleift er sie in mehreren Schichten. Seine Überzeugung ist, dass es eigentlich keinen Müll gibt, nur Dinge für die man zeitweise keine Verwendung hat. Die Devise lautet: transformare. Ein uraltes künstlerisches Prinzip.

Die Ausstellung – kuratiert von Matthias Flügge und Frizzi Krella – ist Teil eines Projekts der Nationalen Stadtentwicklungspolitik und wird gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI).



Ein Projekt der Nationalen
Stadtenwicklungspolitik.
Gefördert durch das 
Bundesministerium des
Innern, für Bau und Heimat

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